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Gewerkschaften sollten ihr Vorgehen überdenken und endlich ökonomisch
denken. Letztlich sind sie ebenso wie die Unternehmen Anbieter eines Produktes und zwar eines der wichtigsten Produkte: Arbeit.
Die Gewerkschaften sind sozusagen Dienstleistungsanbieter und wie es
Dienstleistungen nunmal an sich haben, sind sie verderblich. Die Arbeitsstunde von 7-8 Uhr kann nach 8 Uhr nicht mehr verkauft werden, sie ist verdorben. Ebenso wie der Sitzplatz im Flieger nicht mehr verkauft werden kann, wenn der Flug abgehoben hat oder das Hotelzimmer für die Nacht von Samstag auf Sonntag nicht mehr vermietet werden kann, weil schon Montag ist.
Die Folge davon ist, dass Fluggesellschaften und Hotels, sowie auch Kinos, Theater, Freizeitparks, etc. versuchen ihre Dienstleistung
möglichst vollständig abzusetzen, denn neben hohen Fixkosten, stehen nur geringe variable Kosten. Das ist auch bei dem Produkt Arbeit so. Die variablen Kosten für den Arbeiter bestehen lediglich im
Arbeitsleid und der verlorenen Fernsehzeit, während seine Fixkosten für den Lebensunterhalt auch dann bestehen bleiben, wenn er nicht arbeitet.
Gewerkschaften sollten daher das gleiche Instrument anwenden, das auch
andere Dienstleister beherrschen: Preisdifferenzierung. Das sollte alleine schon deshalb im Interesse der Gewerkschaften, weil sie damit die Konsumentenrente der Arbeitgeber abschöpfen. Schluss mit "Gleiches Geld für gleiche Arbeit", was faktisch "Gleiche Arbeitslosigkeit bei gleichen Lohnforderungen" bedeutet.
Grundidee der Preisdifferenzierung ist die Preis-Absatz-Kurve, die
besagt, dass zu einem hohen Preis weniger Leute bereit sind ein Produkt zu kaufen und zu einem niedrigen Preis viele Leute bereit sind das Produkt zu kaufen. Der Preis wird dann über den Schnittpunkt mit der Preis-Angebots-Kurve bestimmt, die logischer Weise genau andersherum verläuft. Die Folge: Manche kaufen das Produkt billiger ein, als sie bereit gewesen wären zu zahlen. Die Differenz zwischen Zahlungsbereitschaft und tatsächlichem Preis nennt man Konsumentenrente. Da es auch Anbieter gibt, die das Produkt billiger verkauft hätten gibt es auch eine Produzentenrente.
Ein praktisches Beispiel liefern Julia Roberts und Richard Gere in dem
Film "Pretty Woman". Sie verhandeln über den Preis, für eine Woche mit Vivien. Ich weiss nicht mehr die genauen Preise, aber ich sage einfach mal sie haben sich auf 3000 $ geeinigt. Daraufhin sagt Vivien: "Ich wäre auch für 2000 $ geblieben", und Gere antwortet: "Ich hätte auch 4000 $ bezahlt." Konsumentenrente sind hier genau 4000-3000=2000 $. Produzentenrente sind 3000-2000= 1000$.
Darum gibt es in Kinos Studentenrabatte und Sperrsitze, im Freizeitpark Gruppenrabatte und bei den Fliegern Last-Minute-Angebote. Nur die
Gewerkschaften fordern weiterhin: "Gleiches Geld für gleiche Arbeit."
Wer profitiert davon und zu wessen Nachteil ist das? Es profitieren vor allem diejenigen, die die höchste Zahlungsbereitschaft haben und
dadurch die höchste Konsumentenrente. Das sind die Unternehmen, in denen der Faktor Arbeit den höchsten Grenznutzen hat, sprich große Konzerne, die rationalisiert haben und mit Hilfe erhöhten
Kapitaleinsatzes die
Produktivität des Faktor Arbeit erhöht haben. Zum Nachteil ist das für die in diesen Konzernen Beschäftigten, da sie mehr verdienen könnten als sie das tun, für die kleinen Unternehmen, die sich solche Rationalisierungsmaßnahmen aufgrund von Kapitalmangel nicht leisten können und für die der Faktor Arbeit zu teuer wird, so dass sie ihr Geschäft aufgeben müssen, was wiederum der großen Konkurrenz zu Gute kommt und natürlich für die in kleinen Betrieben Beschäftigten, die dadurch ihren Arbeitsplatz verlieren, obwohl sie garkeine Lohnerhöhungen gefordert haben.
Daher wäre es eine intelligente Lösung für die Gewerkschaften ihre
Lohnforderungen zu einem Teil an die Gewinne des beschäftigenden Unternehmens zu koppeln. Nicht aus Gründen der Motivation oder um Leistungsanreize zu schaffen, sondern weil offensichtich eine höhere Zahlungsbereitschaft bei den gewinnträchtigeren Unternehmen besteht als bei den Unternehmen, die um jeden Euro kämpfen müssen. Gleichzeitig sollten jedoch die Grundlöhne gesenkt werden um in kleineren und mittleren Unternehmen Anreize zur Beschäftigung zu geben. Dadurch würden insbesondere Unternehmensgründer gestärkt, was auch zu mehr Innovation und zu moderneren Strukturen in Deutschland führen würde. Löhne sollten nicht als Markteintrittsbarriere mißbraucht werden. Schließlich sollten gerade die Gewerkschaften wissen, dass es im Monopol aufgrund von Größenvorteilen weniger Beschäftigte gibt, als im Wettbewerb.
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