Letzte Aktualisierung: 05.01.2005

Vision 2015

Deutschland im Jahr 2015 hat sich grundlegend reformiert. Das beitragsfinanzierte Sozialversicherungssystem wurde zu einer steuerfinanzierten Grundsicherung umgestaltet, in der jeder im Inland lebende deutsche Staatsbürger ein einkommensunabhängiges Bürgergeld ausgezahlt bekommt, das dem individuellen Steuersatz unterliegt. Gleichzeitig ist jeder Deutsche verpflichtet auf sein Einkommen Steuern zu zahlen, auch wenn er im Ausland lebt und sein Einkommen dort erwirtschaftet. Im Ausland gezahlte Steuern lassen sich jedoch auf die Steuerschuld anrechnen. Diese Maßnahme wurde ergriffen, nachdem aufgrund der demografischen Veränderungen die Beitragssätze unverantwortbar in die Höhe stiegen, was dazu führte, dass selbst Angehörige der Mittelschicht zunehmend ins Ausland abwanderten. Die im Jahr 2009 ergiffene Bildungsoffensive beginnt zu wirken. Das Verhältnis zwischen Studenten und Professoren wurde maßgeblich verbessert, das dreigliedrige Schulsystem zu Gunsten einer auf individuelle Bedürfnisse eingehende Gesamtschule ersetzt. Förderung beginnt bereits in Kindergarten und Vorschulen, die seit 2010 der Schulpflicht unterliegen. Dies hat auch grundlegend zu einer besseren Integration von Ausländern gesorgt. Die zunehmende Scheidungsrate, die große Zahl an Alleinerziehenden und der enorme Zuwachs an Singlehaushalten, insbesondere ältere Menschen, hat dazugeführt, die Ehe nicht mehr steuerlich gefördert wird, sondern lediglich Kinder, durch den Bezug des Bürgergeldes, weiterhin unterstützt werden. Der gesellschaftliche Wandel führte zur Gründung von Kommunen, die sich hauptsächlich in großen und mittleren deutschen Städten finden lassen, während auf dem Land eheähnliche Gemeinschaften weiterhin die üblichste Form des Zusammenlebens darstellen. Das Leben in Kommunen bietet vor allem der großen Zahl an Rentnern den Schutz vor Vereinsamung und einer Abschiebung in Altenheime. Aber auch jüngere Menschen haben die Kommune als Lebensform entdeckt. Dadurch gewährleistete höhere Äquivalenzeinkommen haben den Lebensstandart der in Kommunen Lebenden wesentlich erhöht. Der Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften hat die Frauenbeschäftigungsquote stark steigen lassen und das Gehalt von Frauen befindet sich auf dem gleichen Niveau der männlichen Beschäftigten. Dies liegt mitunter auch daran, dass Eltern in der Erziehungszeit keine Leistungen des Arbeitgebers mehr erhalten, sondern sich über das Bürgergeld finanzieren können. Zudem erleichtert ein qualitativ hochwertiges und bundesweites Angebot an Kindergrippen die frühzeitige Rückkehr in den Beruf. Die finanzielle Unabhängigkeit der Frauen und der Verfall eheähnlicher Beziehungen hat zu einem neuen Verhältnis zwischen Mann und Frau geführt. Klassische Rollenverteilungen findet man, wenn auch in geringerem Maße als früher, nur noch auf dem Land wieder. Geld spielt bei zwischenmenschlichen Beziehungen kaum noch eine Rolle. Nicht zuletzt die Werbung, die erfolgreiche Frauen als wichtige Zielgruppe festgelegt hat, führte dazu, dass zunehmend auch Männer als Lustobjekt wahrgenommen werden. Verhaltensnormen werden nicht mehr vom Geschlecht abhängig gemacht, wodurch sich Männer und Frauen immer ähnlicher werden. Diese Annäherung bringt eine größere Zufriedenheit für beide Geschlechter mit sich, da bisher aufgrund von gesellschaftlichen Normen unterdrückte Bedürfnisse ohne die Befürchtung sozialer Ausgrenzung gelebt werden können. Es bildet sich eine liberale Gesellschaft, in der Homosexualität weder tabuisiert, noch diskriminiert ist. Sowohl die gesellschaftliche Entwicklung, als auch der höhere Lebensstandart, insbesondere bei unteren Einkommensschichten, führt zu einer starken Senkung der Kriminalitätsrate. Die Legalisierung von Drogen und die kontrollierte Abgabe von Drogen an Abhängige, hat nicht nur dem Drogenhandel den Wind aus den Segeln genommen, sondern auch zu einer geringeren Zahl von Drogentoten und Delikten der Beschaffungskriminalität geführt und Wege aus der sozialen Not entstehen lassen. Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Polen bilden das Zentrum der Europäischen Union. Durch Umverteilungsprozesse und eine Stärkung des Europäischen Parlaments, das nun auch selbst Gesetzesinitiativen einbringen kann, haben sich die Lebensverhältnisse der EU-Staaten angenähert. Der Erfolg der deutschen Reformen hat sich auch hier ausgewirkt, da andere Staaten von den deutschen Erfahrungen lernen konnten. Um diesen Mechanismus des Entdeckungsverfahrens weiterhin nutzen zu können wurde das Subsidiaritätsprinzip gestärkt. Die EU erhielt im Gegenzug dafür größere Kompetenzen in grenzübergreifenden Bereichen, wie der Verteidigungs-, Verkehrs- und Außenpolitik. Nicht nur Parteien, sondern auch Gewerkschaften, Antikorruptionsorganisationen, Steuerzahlervertreter und andere Verbände haben auf europäischer Ebene Dachverbände gegründet. Eine neue Art der Tarifpolitik, die Löhne durch Preisdifferenzierung von der Zahlungsbereitschaft und damit den Gewinnen der Arbeitgeber abhängig macht, hat dazu geführt eine Konzentration der Wirtschaftsmacht in Europa zu verhindern. Kooperationen mit Entwicklungsländern, die sich einer demokratischen Regierungsform verschrieben haben, verhinderten, dass Nationalstaaten und Staatenbündnisse sich von Großkonzernen gegeneinander ausspielen lassen. Eine Bevorzugung dieser Entwicklungsländer bei der Entwicklungshilfe und der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, insbesondere was Einfuhr- und Exportzölle, aber auch die Finanzierung von staatlichen Vertretern bei Welthandelsrunden betrifft, führte dazu, dass wesentliche Anreize für eine Demokratisierung geschaffen wurden. Zur Beseitigung von Diktaturen sind neben wirtschaftlichen Sanktionen auch Militäreinsätze im Gespräch. Die Lösung über diplomatische Wege werden jedoch vom europäischen Außenministerium bevorzugt.

Zukunft, Entwicklung, Vorhersage, Modell